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Franz Gertsch
Medici
1971
Dispersion auf Leinwand
400 x 600 cm
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Das monumentale Werk "Medici" von 1971 gehörte zu den Hauptattraktionen der documenta 5 im Jahre 1972, die insgesamt dem Realismus und seinen Spielformen von Hyperrealismus bis Fotorealismus gewidmet war. Prof. Ludwig hatte die Arbeit aus einer Ausstellung des Kunstmuseums Luzern erworben und es unmittelbar an die documenta 5 ausgeliehen, wo es zum Durchbruch des Künstlers führte. Medici zeigt fünf junge Männer, die sich über eine rotweiße Barriere lehnen, die das Eingangsportal des Luzerner Kunstmuseums - eben jenes Debutortes des Bildes - verstellt. Die dargestellten Jugendlichen amüsieren sich offenbar. Möglicherweise bringt sie der Zufall zum Schmunzeln, dass die versperrende Baustellenplanke als Firmensignet ausgerechnet die Bezeichnung "Medici" trägt. Dieser Name ist unweigerlich mit dem wohl bekanntesten Florentiner Herrschergeschlecht und wichtigsten Auftraggeber für Künstler in der Renaissance verbunden. In dem Bild von Franz Gertsch steht der Name nicht nur scheinbar zufällig auf dem Kopf, er ist auch noch auf ein profanes Warenzeichen eines Baubetriebs reduziert, dessen Bretter ausgerechnet ein Kunstmuseum verschließen. Der große Name aus der Kunstgeschichte wird in der Epoche der Seventies zum Auslöser juvenil grundloser Albernheit und zum Ziel aufgeweckter Verspottung traditioneller Kulturgüter. Die Porträtierten zählen zu Gertschs Freunden, die er über viele Jahre immer wieder malt. Als Ausgangsmaterial für seine Gemälde dienen Gertsch ausgesuchte fotografische Momentaufnahmen. Diese bannt Gertsch seit Anfang der 70er als Riesenvergrößerung, die das Bildpersonal in Lebensgröße erscheinen lässt, im handgetupften Offset-Stil auf die Leinwand. Dieses Blowup-Verfahren verleiht den Schnappschüssen eine neue Bedeutsamkeit, eine spezifische Aura: Alltag und Zufall erhalten den Touch des Sensationellen. Durch die Riesenformate muss der Betrachter eine bestimmte räumliche Distanz einnehmen, um das Bildganze mit seinen teilweise überlebensgroßen Figuren zu erfassen. In nächster Nähe verwandelt sich das scheinbare Großfoto in reine Malerei, in Farbpartikel, Schlieren und Striche. Gertsch verwickelt den Betrachter so in eine - gerade in den 70er Jahren geführte - Diskussion um Abbild und Wirklichkeit. Die Vorlage der Fotografie ließ Medici als Zufallsprodukt, als Widerspiegelung einer ungestellten alltäglichen Situation erscheinen. Die Bearbeitung als Gemälde dagegen legte die Interpretation als generalisiertes Abbild einer Generation nahe. Sie lenkte den Blick auf die symbolträchtige Konfrontation von Kunst und Barrieren, sowie auf die Verbindung von Jugendlichen und die auf die Opposition der 70er Jahre verweisenden Barrikaden. Die fotorealistische Malerei von Franz Gertsch stellte so - wie auch sein Künstlerkollege Chuck Close - den scheinbar objektiven Abbildcharakter der Fotografie in Frage und prägte den vom Maler selbst gewählten Begriff der zum "Substrat verdichteten Realität".
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